Sommer vorm Kiosk (Schreibkreis Nordost Treffen VIII)

 

 

Es war heiß, unsere Kleidung war luftig. Irgendwie alles anders, dachte ich, dabei war doch nur Zeit vergangen und alle von uns waren braun geworden.

Wir freuten uns, denn es hatte tatsächlich geklappt, unser Treffen in den Ferien, diesmal in einem Berliner Park, am Tischchen neben dem Kiosk. Als erstes wurde ein neuer Trick besprochen, um Wespen auszutricksen, dazu hätten wir eine braune Papiertüte gebraucht, doch sowas hatte keine auf Tasche und die nette Dame vom Kiosk auch nicht.

Weil Ferien sind, gab es diesmal gar kein Thema. A hätte sich darüber gefreut, aber A war nicht da, sondern in Frankreich. Deshalb konnte A auch keine Mitschrift machen, dazu erklärte sich B bereit. B hatte diesmal nur eine Seite geschrieben, C hatte keinen Text mitgebracht. Dafür war T als Gast wieder mit am Start, sogar mit mehreren Seiten Text, von denen C aber vergessen hatte, die erste Seite auszudrucken.

Zuerst wurde Bs Text besprochen, die Zusammenfassung eines geplanten Romanvorhabens. Es wurde nicht klar, in welche Richtung sich die Figuren entwickeln würden und ob das von B gewählte Romanthema wirklich spannend sei. Braucht man überhaupt Spannung, oder muss das gar nicht sein? Da einer der Konflikte in Bs Text eng mit dem Wort „Negerin“ verknüpft war, wurden die diesbezüglichen Debatten der letzten Zeit abgeklopft. Darf man oder frau „Negerin“ oder „Schwarze“ sagen und schreiben, wenn ja, wer darf das? Das Wort „Weiße“ geriet ebenfalls unter Rassismusverdacht. Zudem seien bespielsweise Europäer ja gar nicht weiß, sondern eher hautfarben (nude), also beige.

Es wurde thematisch wieder angeschlossen zur letzten Sitzung (Triviallesbenvampire), in der mit Bedauern festgestellt worden war, dass in den meisten Neuerscheinungen viel beschrieben, gedacht und nachgedacht wird, aber irgendwie nichts losgeht. Aber in meinem Text wird auch was passieren, versprach B, der Roman spiele ja in Teilen sogar im Ausland!

In Ts Text, ebenfalls eine Vorstufe zu einem Romanprojekt, war sofort klar, dass es krachen würde. Die von T gewählte Hauptfigur tat böse Dinge und riss die Personen, die ihm vertrauten, ins Verderben. Die einzige Hoffnung lag in der Figur einer Haushälterin, sie könnte dem Bösen noch entkommen! T hatte eine Entscheidung zu treffen und so fragte sie: aus welcher Perspektive wäre der Roman für die Leser maximal spannend? Wenn sie an der Seite der Hauptfigur das Leben von anderen zerstörten? Oder wenn die Leser sich identifizieren mit denen, die in Gefahr sind und das Spiel erst durchschauen, wenn es schon zu spät ist? Täter- oder Opferperspektive? Auch die Motivation der Hauptfigur warf Fragen auf. Was hat der davon, dass der so böse ist? Okay, Geld, okayokayokay, viel Geld, aber trotzdem, was soll das? Vielleicht ist er ja nur zum Täter geworden, weil die anderen sich ihm als Opfer präsentiert haben? Und was läuft anders, wenn der Böse gar nicht merkt, dass er böse ist? Um die Hauptfigur beser zu verstehen, wurde T empfohlen, aus der Perspektive der Opfer zu erzählen.

An dieser Stelle wurde nahtlos übergeleitet zu einer Bekannten, der ihr fremdgehender Freund eingeredet hatte, sie sei krankhaft eifersüchtig. Sie solle doch mal eine Therapie machen! Die Bekannte hatte daraufhin schwere psychische Probleme, während ihr fremdgehender Freund als Freund und Helfer dastand. Was ist eigentlich das Tolle an Macht?

Kopfschüttelnd und achselzuckend räumten B, C, und T ihre Notizen zusammen und zogen weiter in die Nacht.

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